Susi oder eine Hand voll Glück
Über das Leben eines außergewöhnlichen Lebensgefährten

Berichtet von Kurt Orth

Einleitung

Ein Bericht über das nach meiner Meinung ungewöhnlichste Haustier das ich jemals kennen lernen durfte. Weit über dreißig Jahre haben bei uns die verschiedensten Tiere gelebt und uns Einblick in ihr Verhalten und ihre Lebensansprüche gewährt. Die Liste reicht von Kröten, Krähen und Steinmardern bis zu vielen Schlangen, Krokodilen, Vogelspinnen und Skorpionen.


Alle Tierarten aufzuzählen würde den Leser ermüden, aber es waren sehr sehr viele. Bei einigen dieser „ Haustiere „ war eine enge Bindung an den Menschen zu beobachten, aber immer blieb im Hintergrund das eigentliche Wesen des Tieres erhalten.
Um es vorweg zu nehmen, die Wieseldame Susi hat alle Erfahrungen auf den Kopf gestellt. Und gleich am Anfang eine große Bitte, versuchen Sie unter keinen Umständen ein großes Wiesel als Haustier zu halten.
Mauswiesel habe ich oft gepflegt und das ging auch ganz gut. Das Hermelin, wie das große Wiesel auch genannt wird, eignet sich nicht als Haustier. Diese eine große Ausnahme darf nicht zu Versuchen verleiten. Das Leid der Tiere und die Enttäuschung der Halter sind vorprogrammiert. Viele haben es schon versucht und das Ergebnis war immer ernüchternd. Normalerweise benimmt sich ein gefangenes Hermelin äußerst nervös und schreit den Halter bei jeder Annäherung an den Käfig wütend an und entleert auch oft seine Stinkdrüsen. Nach einigen Wochen liegt es dann tot im Käfig, gestorben an Stress und dem Verlust der Freiheit.

So etwas darf man keinem Lebewesen antun, es ist bedeutend schlimmer als ein normaler Tod durch Feinde oder den Straßenverkehr.


So sehe ich besser



Wie alles begann

Als Futter für meine Kreuzottern habe ich im Garten oft Mäuse in selbstgebauten Lebendfangfallen gefangen, da meiner Meinung nach Zuchtmäuse nicht alle Stoffe an die Schlangen weitergeben welche diese benötigen. Eines Tages im April war statt einer Maus ein weißes Wiesel in der Falle. Da ich das schöne Tier meiner Frau Elke zeigen wollte setzte ich es in einen Käfig mit Schlupfkasten.
So schnell wie möglich wollte ich das Wiesel dann wieder frei lassen, da ich schon schlechte Erfahrungen bei Haltungsversuchen von Wieseln gemacht hatte.
Diese Gefangenschaft hat sich durch einige Umstände über mehrere Tage ausgedehnt, wobei die angebotenen Eintagskücken gefressen wurden. Als wir dann den Käfig öffneten um das Wiesel frei zu lassen war die Überraschung riesig, die Fähe (Fachbegriff für weibliches Raubtier) hatte neun Junge geboren. Selbst die Anzahl ist schon ungewöhnlich, da zumeist fünf bis sieben Junge abgesetzt werden. Überraschend war auch, dass die Mutter die frisch geborenen Jungen nicht gefressen hat. Das kommt bei frisch gefangenen Marderarten die in einem Käfig ihre Junge bekommen oft vor.

Die Aufzucht

Das Freilassen des Wiesels war nun nicht mehr möglich und die ganze Gesellschaft wanderte in ein Terrarium im Wohnzimmer. Bis heute kann ich mir nicht erklären, warum die Wieselmutter das Spiel mitgemacht hat und ihre Jungen nicht kurzerhand aufgefressen hat. Täglich rechnete ich mit der Katastrophe.
Aber wie das ganze Leben von Susi so war auch die Aufzucht durch ihre Mutter eine große Überraschung. Bei früheren Haltungsversuchen von Hermelinen war es nie anders, als das jede Annäherung an den Käfig mit wütenden Schreien des gefangenen Insassen quittiert wurde.
Selbst das Hantieren im Terrarium beim Füttern und Saubermachen wurde von dieser Wieseldame ohne Aufregung geduldet. Vermutlich hat sie instinktiv gespürt dass wir es gut mit ihr und ihren Kindern meinten und sie bei der Aufzucht der Jungen von uns abhängig war.

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