Verlorene Vielfalt

In den Jahren nach dem letzten Weltkrieg änderte sich alles radikal. Es kam nicht abrupt, immer nur schrittweise und kaum merklich. Im Verlauf von fünfzig Jahren habe ich genau hingesehen und beobachtet. Wo sind all die Tiere meiner Vergangenheit? Wo ist der geheimnisvolle und doch so vertraute Wald? Was ist in der Natur überhaupt noch erlebbar? Was ist aus den Bächen und Teichen meiner Jugend geworden? Fragen, auf die ich eine Antwort suchte und zu geben versuche.

Oder Erlebnisse in Urlauben, die heute kaum mehr möglich sind. Ein Ausschnitt: (Leider war es mit dem erholsamen Schlaf nicht weit her, offensichtlich lag unser Zelt im Revier eines Leoparden und ärgerlich brüllend kam er am Zelt vorbei. Elke hat die ganze Geschichte verschlafen, mir war aber gar nicht wohl in meiner Haut. Schnell habe ich Campingbeil und Messer gepackt und mich an den Eingang des Zeltes gesetzt. Nach unendlich langen Minuten entfernte sich das Gebrüll und ich habe Elke geweckt. Als harmlose Mitteleuropäer war uns diese Situation äußerst unheimlich und wir sind für einige Stunden in das Auto umgezogen. Wohl wussten wir, dass Leoparden Menschen nicht angreifen, wir waren aber nicht sicher, ob der Leopard das wusste. Nach einer unbequemen Nacht wurden wir am Morgen schon wieder durch Gebrüll geweckt. Diesmal waren wir einer Horde Bärenpaviane im Weg, deren Anführer mit Gebrüll und gebleckten Zähnen auf uns zu kam. Der hatte aber den verkehrten Moment erwischt, durch die letzte Nacht war ich noch gereizter wie er und ging mit dem Campingbeil auf ihn los. So was Unverschämtes war ihm offensichtlich noch nicht passiert und zögernd hat er den Rückzug angetreten).

Oder: (Am Abend haben wir dann durch Zufall erfahren, dass sich in diesem Zimmer ein Jahr vorher ein Drama abgespielt hatte. Der Besitzer des Hauses hatte in dem Zimmer seine Ehefrau mit einem anderen erwischt und beide erschossen. Das passte zu dem ganzen Charme von Okahandja, Mauern, Stacheldraht, Hunde). Egal ob im Dschungel von Sri Lanka, in den Dünen der Sahara, der flimmernden Hitze im Fishriver Canyon oder dem Chaos von Gambia, was wir im Laufe der Jahrzehnte erlebt haben, ist kaum noch möglich. In den letzten Jahrzehnten habe ich über zwanzig Artikel für allgemeine und wissenschaftliche Publikationen geschrieben, von denen einiges mehrsprachig veröffentlicht wurde. Von da her bin ich bei einem großen Personenkreis in Europa bestens bekannt und geschätzt. Mit diesem Buch möchte ich auf den erschütternden Artenschwund in unserer Natur aufmerksam machen. Dies ist ein Bericht über Verlorenes in unserer Umwelt im Zeitraum der letzten fünfzig Jahre.

Auf 286 Seiten werden Tiere und Lebensräume vorgestellt und mit 42 Bildern verdeutlicht. Seit 1975 haben meine Frau und ich Reisen in viele Länder unternommen, welche in Form und Inhalt heute zum Teil nicht mehr möglich sind. Mit diesem Buch möchte ich der Jugend aufzeigen, was unsere Natur einst zu bieten hatte und sie ermutigen, den Kampf für das noch Erhaltene aufzunehmen. Den Älteren möchte ich deutlich machen, wie sich unsere Umwelt weitgehend unbemerkt verändert hat und in welchem Maß unser Leben eintöniger geworden ist. Seit meiner Kindheit war mein Leben eng mit der Natur und ihren Tieren verknüpft. Auf unzähligen Exkursionen habe ich viel mit unseren Wildtieren erlebt und den Niedergang der meisten Tiere und ihrer Umwelt erleben müssen. Bei Auslandsreise waren wir oft vor der touristischen Inbesitznahme in Dschungel und Wüste unterwegs und haben dabei vieles erlebt, das dem Durchschnittstouristen verschlossen bleibt.

Als Koordinator habe ich in unserem Raum die erste Amphibien - Kartierung geleitet und habe seit dieser Zeit einen genauen Überblick über die Veränderungen der Bestände dieser Tiere. Zur genauen Beobachtung habe ich Schlangen, Echsen, Skorpione und Vogelspinnen gepflegt bevor Terraristik zum Massenhobby wurde. Dabei haben wir immer wieder die Heimat unserer Pfleglinge aufgesucht, um ihnen die besten Bedingungen bieten zu können. Besonders eine Reise in die libysche Sahara auf dem Rücken von Kamelen wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis, nicht nur durch die erstaunliche Landschaft der Wüste, sondern auch spirituell. Unter den Tieren in Deutschland hatten mich die Hirsche von Anfang an in ihren Bann gezogen und ich habe vieles mit ihnen erlebt. Leider musste ich auch ihren Niedergang miterleben, für die Zukunft sieht es für das größte Tier unserer Natur sehr schlecht aus.

Im letzten Teil behandele ich die verschiedenen Lebensräume der Tiere und ihre Veränderung im Laufe der letzten fünfzig Jahre. Dabei gehe ich besonders auf den Wald ein, da dieser nicht nur ein Lebensraum für Tiere darstellt, sondern auch für unser Überleben von größter Bedeutung ist. Eine Dokumentation in dieser Weite und besonders Tiefe einzelner Beschreibungen wurde noch nicht erstellt und ist für Leser vieler Altersklassen von großem Wert.

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