Freilandhaltung:

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Kurt Orth

Sehr helles Männchen im Freilandterrarium

Seit 1981 pflege ich Kreuzottern in Zimmer- und Freilandterrarien. Wie zu erwarten, verhalten sich die Tiere im Freiland genauso wie in Ihrem natürlichen Lebensraum und geben einen Einblick in ihre Lebensgewohnheiten. Nachfolgend gebe ich einige meiner Erfahrungen wieder und hoffe, dem einen oder anderen Leser einige Anregungen geben zu können. Meine erste Freilandanlage befand sich auf einem Flachdach und war sieben auf vier Meter groß. Die Abgrenzung bestand aus einer einen Meter hohen Mauer. Als Bodengrund war eine Sand- Erdmischung von etwa zehn Zentimeter Höhe eingebracht. Aus Teichfolie waren zwei Wasserbecken gebildet und alles mit einheimischen Pflanzen eingerichtet. Als Unterschlupf waren Baumstumpen und Rindenstücke in der Anlage verteilt. Bedingt durch den Abstand von drei Metern zum Boden war die Gefahr durch Katzen gering, und es traten keine Verluste auf. Da die Tiere meist gedeckt an Pflanzen lagen, waren sie auch durch Greifvögel nicht besonders gefährdet. Das Hauptproblem war im Herbst das Auffinden der Schlangen, da das Überwintern in dieser Anlage nicht möglich war. Der Futterbedarf war in etwa halb so hoch wie im Zimmer und dürfte der Nahrungsaufnahme im Biotop entsprechen. Jungtiere gab es meist jedes zweite Jahr, im Zimmer jedes Jahr.

Das Ende der Idylle kam durch unseren Umzug, und die Probleme fingen an. Das folgende Behältnis war aus Holz gebaut, hatte vorne eine Glasscheibe und an den Seiten und oben Drahtgeflecht. Die Größe war 200 x 50 x 80 cm (LBH), aus Styropor war ein Unterschlupf gebaut und das ganze Terrarium war dicht bepflanzt. Die Haltung der Kreuzottern war problemlos und die Nahrungsaufnahme lag in der Menge zwischen Zimmer und Freilandhaltung, wohl als Folge der Erwärmung durch die Glasscheibe. Das Problem stellte die Hitze in der Reproduktionszeit dar, denn die Ottern konnten den hohen Temperaturen nur unzureichend ausweichen. Die frischgeborenen Schlangen wiesen Verkrümmungen der Schwanzwirbelsäule auf, die im weiteren Wachstum allerdings fast vollständig verschwanden. Daraufhin baute ich ein Terrarium direkt auf den Boden. Die Größe war 200 x 120 x 120 cm (LBH), es war auf zwei Seiten verglast, die anderen Seiten warenmit Teichfolie bespannt. Aus Teichfolie war ein Wasserbecken angelegt und der Boden war dicht mit Heide bepflanzt. Gegen Räuber musste ich eine Drahtabdeckung anbringen, die jedoch von Katzen und Mardern beschädigt wurde.

Bedingt durch den direkten Bodenkontakt bestand immer die Gefahr, dass Mäuse die Absperrung unterwühlten. Durch die Abdeckung waren Arbeiten im Terrarium nur umständlich durchzuführen. Meine letzte Anlage war Zehn Meter lang, fünf Meter breit, und von einer einen Meter und zwanzighohen Mauer umgeben. Zum Überwintern der Schlangen hatte ich eine einen Meter tiefe Grube ausgehoben, die mit Styropor, Ästen, Steinen und Erde aufgefüllt und einen Meter hoch bedeckt war. Die Einrichtung bestand aus zwei Teichen und einem Moorteil, bepflanzt ist mit Fichten, Heide und anderen einheimischen Pflanzen. Außer den Kreuzottern lebten noch Kreuzkröten, Gelbbauchunken und Sumpfschildkröten im Terrarium. Leider haben Katzen die Anlage schnell entdeckt und zwei Kreuzottern getötet. Bisher ist mir noch keine praktikable Lösung dieses Problems eingefallen. Zusammenfassend haben sich kleinere Anlagen mit einer rundum Absperrung besser bewährt, da in großen Anlagen selten eine wirksame Abwehr von Schädlingen möglich ist.

Vor zu starken Temperaturschwankungen sollte in jedem Fall eine möglichst dicke Bodenschicht schützen, das Überwintern ist in diesen Behältern nicht möglich. Passanten sollten die Anlage nicht sehen können, da immer mit den verschiedensten Problemen zu rechnen ist. Im Bezug auf Schlangenhaltung sind wir von der Hexenverfolgung des Mittelalters nicht weit entfernt und was keiner weiß macht keinen heiß. Ich hoffe, ich habe einige Reptilienfreunde auf diese Form der Tierhaltung neugierig gemacht oder sogar vor Fehlern bewahrt. Unsere Reptilien sind eine Kostbarkeit, die es unbedingt zu erhalten gilt. Freilandanlagen sind hierfür die beste Möglichkeit, da der Schutz in freier Natur noch keine nennenswerte Resultate gezeitigt hat und auch in naher Zukunft wenig Erfolg verspricht. Die Bewegungsfreiheit einer Unzahl von Hauskatzen wird bei uns höher eingeschätzt, als das Überleben unserer Wildtiere. Den Rest erledigt der Landschaftsverbrauch oder sogar die direkte Verfolgung.
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